Diagnose vom chronischen Erschöpfungssyndrom

Spezielle Therapie für Erschöpfungssyndrom, Müdikeitssyndrom, Vegetative Dystonie etc.

Moderator: Ilse-Maria

Diagnose vom chronischen Erschöpfungssyndrom

Postby Gast » 13.04.2007, 20:29

Es gibt für das CFS bislang keine diagnostischen Labortests oder objektivierende technischen Untersuchungen. Erschwerend für die Feststellung dieser Erkrankung kommt hinzu, dass beim Chronischen Erschöpfungssyndrom viele Symptome vorkommen, die auch andere Krankheiten begleiten. So leiden etwa 10-25% aller Patienten, die ihren Hausarzt aufsuchen, unter allgemeinen Erschöpfungszuständen. Das CFS kann daher bisher nur über eine sogenannte Ausschlussdiagnose festgestellt werden. Dies geschieht durch eine gründliche Anamnese, eine eingehende körperliche Untersuchung und den Ausschluss derjenigen Erkrankungen, die ebenfalls eine anhaltende Erschöpfung verursachen können. Differentialdiagnostisch sollen laut dem australischen Leitfaden zur Diagnose und Behandlung von ME/CFS für Ärzte aus dem Jahr 2004 (Myalgic encephalopathy (ME) and chronic fatigue syndrome (CFS): management guidelines for general practitioners) die folgenden Krankheiten ausgeschlossen werden: Aids, Anämie, Angsterkrankungen, chronische Hepatitis, Diabetes Mellitus, Fibromyalgie, Hämachromatose, HIV, Hyperkalzämie, Lyme-Borreliose, Majore Depression, maligne Erkrankungen, Morbus Addison, Multiple Sklerose, Myasthenia gravis, Parkinson-Krankheit, Polymyalgie, Sarkoidose, Schlafapnoe, Schilddrüsenunterfunktion, Schilddrüsenüberfunktion, *Myopathien, Somatoforme Störungen, Lupus erythematodes sowie Zöliakie.


Für die Diagnose eines CFS müssen die folgenden Kriterien vorliegen:

Allgemeine Kriterien

Es muss sich um eine Chronische Erschöpfung handeln, die

* klinisch gesichert und ungeklärt ist
* neu und mit zeitlich bestimmbarem Beginn auftrat (nicht bereits lebenslang besteht)
* sich nicht spürbar durch Ruhe bessert
* nicht Folge einer noch anhaltenden Überlastung ist
* zu einer substantiellen Reduktion früherer Aktivitäten in Ausbildung und Beruf sowie im sozialen und persönlichen Bereich führt
* länger als 6 Monate anhält

Symptom-Kriterien nach Fukuda et al.

Vier oder mehr der aufgeführten acht Symptome, die frühestens mit Beginn der Erschöpfung aufgetreten sein dürfen, müssen für einen Zeitraum von mindestens sechs aufeinanderfolgenden Krankheitsmonaten persistierend oder rezidivierend nebeneinander bestanden haben:

* selbstberichtete Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses oder der Konzentration, die schwer genug sind, eine substantielle Reduktion des früheren Niveaus der Aktivitäten in Ausbildung und Beruf sowie im sozialen und persönlichen Bereich zu verursachen
* Halsschmerzen
* empfindliche Hals-und Achsellymphknoten
* Muskelschmerzen
* Schmerzen mehrerer Gelenke ohne Schwellung und Rötung
* Kopfschmerzen eines neuen Typs, Musters oder Schweregrades
* keine Erholung durch Schlaf
* Zustandsverschlechterung für mehr als 24 Stunden nach Anstrengungen

Klinische Definition

Kanada stellte 2003 die erste klinische Definition des CFS vor.

Danach müssen die folgenden Symptome vorliegen, wobei alle genannten Kriterien der Abschnitte 1 bis 6 wie unten beschrieben erfüllt sein müssen (Einschränkungen sind angegeben):

1. Zustandsverschlechterung nach Belastung und Erschöpfung (alle Kriterien dieses Abschnitts müssen erfüllt sein)

a) Der Patient muss unter einem deutlichen Ausmaß einer neu aufgetretenen, anderweitig nicht erklärbaren, andauernden oder wiederkehrenden körperlichen oder mentalen Erschöpfung leiden, die zu einer erheblichen Reduktion des Aktivitätsniveaus führt
b) Erschöpfung, Verstärkung des schweren Krankheitsgefühls und/oder Schmerzen nach Belastung mit einer verzögerten Erholungsphase (der Patient benötigt mehr als 24 Stunden, um sich zu erholen)
c) Die Symptome können durch jede Art der Anstrengung oder jede Art Stress verschlechtert werden

2. Schlafstörungen

Nicht erholsamer Schlaf oder veränderte Schlafmuster (einschließlich einer Störung des Tag-Nacht-Rhythmus)

3. Schmerzen

Arthralgien und/oder Myalgien ohne klinische Belege für eine entzündliche Reaktion im Sinne von Schwellungen oder Rötungen der Gelenke; und/oder starke Kopfschmerzen eines neuen Typs, Musters oder Schweregrades

4. Neurologische/Kognitive Manifestationen (mindestens zwei der Kriterien müssen erfüllt sein)

1. Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit und des Kurzzeitgedächtnisses
2. Schwierigkeiten mit der Informationsverarbeitung, der Kategorisierung, Wortfindungsschwierigkeiten einschließlich periodisch auftretender Lesestörungen
3. Es kann zu Überbelastungserscheinungen kommen: einer Überbelastung durch Informationen, kognitive oder sensorische Einflüsse und Belastungen (z.B. Lichtempfindlichkeit und Überempfindlichkeit gegenüber Lärm) und/oder einer emotionalen Überbelastung, die zu Rückfällen und/oder Ängsten führen kann
4. Wahrnehmungs- und sensorische Störungen
5. Desorientierung oder Verwirrung
6. Ataxien (Bewegungskoordinationsstörungen)

5. Autonome/Neuroendokrine/Immunologische Manifestationen (mind. je ein Symptom in wenigstens zwei der folgenden Kategorien muss erfüllt sein)

A) Autonome Manifestationen

1. Orthostatische Intoleranz (z.B. neural vermittelter niedriger Blutdruck [NMH])
2. lagebedingtes orthostatisches Tachykardie-Syndrom (POTS - Herzjagen)
3. Schwindel und/oder Benommenheit
4. Extreme Blässe
5. Darm- oder Blasenstörungen mit oder ohne Colon Irritable (IBS – Reizdarm) oder Blasendysfunktionen
6. Herzklopfen mit oder ohne Herzrhythmusstörungen
7. Vasomotorische Instabilität (Instabilität des Gefäßtonus)
8. Atemstörungen

B) Neuroendokrine Manifestationen

1. Verlust der thermostatischen Stabilität
2. Intoleranz gegenüber Hitze/Kälte
3. Appetitverlust oder anormaler Appetit, Gewichtsveränderungen
4. Hypoglykämie (verminderter Glucosespiegel)
5. Verlust der Anpassungsfähigkeit und der Toleranz gegenüber Stress, Verstärkung der Symptome durch Stress sowie langsame Erholung und emotionale Labilität

C) Immunologische Manifestationen

1. Empfindliche Lymphknoten
2. Wiederkehrende Halsschmerzen
3. Grippeähnliche Symptome und/oder allgemeines Krankheitsgefühl
4. Entwicklung bisher noch nicht aufgetretener Allergien oder Veränderungen im Zustand bereits vorliegender Allergien
5. Überempfindlichkeit gegenüber Medikamenten und/oder Chemikalien

6. Die Erkrankung besteht seit mindestens 6 Monaten


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