Schroth entwickelte seine Kurmethode etwa 1820 im Selbstversuch, nachdem er durch den Huftritt eines Pferdes schwer am Knie verletzt worden war, so dass es steif blieb. Er legte nasskalte Umschläge auf - an sich nichts Revolutionäres - und erzielte eine deutliche Besserung. Seine Schlussfolgerung: "In feuchter Wärme gedeiht Holz, Frucht und Wein, selbst Fleisch und Bein". Schroth beobachtete, dass krankes Vieh die Nahrung verweigert und wenig trinkt und kam auf die Idee, dieses Prinzip auf kranke Menschen zu übertragen. Das war der Ursprung der Schrothkur. Wie sein Bekannter Vincenz Prießnitz, der ganz in der Nähe lebte, kam Schroth in den Ruf, ein "Wunderdoktor" sein, wurde aber auch der Kurpfuscherei bezichtigt.
Interessant ist die zeitgenössische Beschreibung und Einschätzung der Schrothkur in Meyers Konversationslexikon (1898): Schrothsche Kur (...) Heilverfahren, bei welchem der Kranke längere Zeit hindurch mit altbackener Semmel und dickem Brei aus Reis,Grieß, Hirse, Buchweizengrütze ernährt wird. Als Getränk dient früh und abends ein Gläschen Wein, an jedem dritten oder vierten Tag erhält der Kranke 2-3 Stunden nach der Mittagsmahlzeit (Pudding mit Weinsauce) so viel Wein, wie er trinken mag. Nachts liegt der Kranke in nassen Tüchern. Die höchst lästige Kur greift tief ein und kann bei unvorsichtiger Anwendung Entkräftung, Skorbut, selbst den Tod herbeiführen, bei sorgsamer Überwachung hilft sie oft bei veralteter Syphilis, Gicht, chronischen Ausschwitzungen im Rippen- und Bauchfell und in den Gelenken, auch bei Magenerweiterung günstig.
