Die Eisenmangelanämie ist weltweit die häufigste Form der Anämie und wahrscheinlich auch die häufigste Mangelkrankheit überhaupt. Ihre Prävalenz wird auf ca. 600 Millionen Menschen weltweit geschätzt. Durch Eisenmangel wird die Produktion des roten Blutfarbstoffes, des Hämoglobins gestört. Menschen mit einer Eisenmangelanämie fühlen sich oft müde und schlapp und neigen zu einer blassen Gesichtsfarbe.
Die häufigsten Ursachen der Eisenmangelanämie sind Mangelernährungen und Blutungen. Mangelhafte Aufnahme von Eisen ist besonders häufig in Zeiten von erhöhtem Bedarf, wie in der Kindheit und während der Schwangerschaft. Säuglinge, die Milchersatzprodukte auf Kuhmilchbasis erhalten, zumindest wenn diese nicht mit Eisen angereichert sind, sind stärker gefährdet als gestillte Säuglinge, denn Kuhmilch ist eisenärmer als Frauenmilch, und weist eine deutlich schlechtere Resorptionsrate auf. Entgegen landläufiger Meinung erkranken Vegetarier nicht häufiger an Eisenmangelanämie als Mischköstler (Draper & Wheeler, 1989; Anderson, 1981). Dabei sind im Zweifel Ovo-Lakto-Vegetarier stärker gefährdet als strenge Vegetarier, da Kuhmilchprodukte nicht nur eisenarm sind, sondern ebenso wie Eier die Eisenresorption hemmen. Aus dem selben Grund ist Kalbfleisch so hell: Die Tiere werden in einem Alter, in dem sie in der Natur längst angefangen hätten, zu äsen, fast ausschließlich mit Milch gefüttert. So bleibt ihnen der Eisengehalt des Grases und anderen Blattmaterials unzugänglich, und sie werden anämisch.
Blutungen kommen bei Männern und Frauen häufig im Magen-Darm-Trakt, häufig auch als Blutungen von Tumoren vor, bei jungen Frauen kann auch eine zu starke Menstruation Ursache der Eisenmangelanämie sein. In der Schwangerschaft ist der Eisenbedarf sogar um fast 100% erhöht. Auch regelmäßige Blutspender haben einen erhöhten Bedarf.
Da eine bestehende Anämie schwerwiegende Erkrankungen zur Ursache haben kann, ist die Konsultation eines Arztes empfehlenswert. Durch eine eisenreiche Ernährung kann aber einer Unterversorgung vorgebeugt werden. Sofern eine ausreichende Versorgung allein aus der Nahrung sichergestellt werden kann, ist eine Einnahme von Eisenpräparaten nicht anzuraten, denn diese können leicht überdosiert werden. Immer wieder kommt es auch zu schweren Vergiftungen, wenn kleine Kinder an solche Präparate gelangen, und sie reihenweise verzehren. Ab ca. 500-1000mg verzehrtem Eisen kann ein Kleinkind schwerwiegend vergiftet werden, 2000 bis 3000mg können tödlich sein. Diesen Gehalt weisen bereits 20-30 hochdosierte (100mg/Dosis) Kapseln oder Tabletten auf. Derartige Dosen lassen sich nicht durch die Nahrung erreichen, weswegen diese Option immer die sicherere Variante ist.
Eine indische Studie an unter Eisenmangel leidenden vegetarischen Kindern zeigte, dass Eisenmangel durch verbesserte Vitamin C-Zufuhr behandelt werden kann. Nachdem - ohne sonstige Änderung der Ernährungsgewohnheiten - für 60 Tage zu Mittagessen und Abendessen 100mg Vitamin C (Ascorbinsäure) zugegeben wurden, trat bei allen Probanden der mit Vitamin C versorgten Gruppe eine deutliche Besserung des Hämoglobinstatus ein. Die Mehrzahl dieser Kinder genas sogar vollständig. (Seshadri, Shah, Bhade, 1985)
Aus methodischen Gründen wurde in dieser Studie künstliche Ascorbinsäure zugegeben. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass natürliche und künstliche Ascorbinsäure die gleiche Steigerung der Eisenresorption (bis zu Faktor 7) bewirken. Die oben angegebene Menge ist beispielsweise in ca. 200ml frisch gepresstem Orangensaft, 100g Brokkoli oder wenigen Streifen roter Paprika enthalten, jedoch reicht auch die Hälfte aus, um eine große Steigerung der Resorption zu bewirken. Allerdings nur, wenn zwischen dem Verzehr von ascorbinsäurehaltigen Lebensmitteln und eisenreichen Lebensmitteln höchstens wenige Stunden vergehen, das Vitamin C sich also noch im Verdauungstrakt befindet. Optimal ist die Einnahme zur gleichen Mahlzeit.
