Narcotoxische Substanzen
Nikotin (auch Nicotin, chemisch: Alpha-Pyridyl-beta-N-Methyl-pyrrolidin, C10H14N2) ist eine ölige, farblose Flüssigkeit. Nikotin ist chemisch gesehen eine Stickstoffbase, ein Alkaloid - ebenso wie z.B. die (ebenfalls hochgiftigen) Stoffe Strychnin, Koffein, Ecgonin und sein Abkömmling Kokain, Morphin und sein Abkömmlinge Kodein, Papaverin und Diacetylmorphin (Heroin) sowie die Indol-Alkaloide Psilocybin und Psilocin (auch in berauschenden Pilzen). Das Nikotin stellt - neben dem Nornikotin und dem aromatischen Wirkstoff Nikotianin - den eigentlich wirksamen, psychoaktiven Bestandteil der Droge Tabak dar. Es gehört zur Gruppe der narkotisch wirkenden Drogen. Die absolut tödliche Menge dieses - wie der Chemiker sagt - pyridinen Alkaloids Nikotin beträgt nur etwa 50 mg - das ist tatsächlich etwa so viel Nikotin, wie ein Gewohnheitsraucher über den Tag verteilt verbrennt und verschwelt, tatsächlich aber nicht vollständig resorbiert.
Gewohnheitsraucher überleben jedoch die Aufnahme tödlicher Nikotinmengen in ihre Lunge trotzdem. Denn wenn der Rauch von 12 Zigaretten z.B. 19 mg Nikotin enthält, so heißt das nicht, dass diese Gesamtmenge von der Lunge sofort ins Blut aufgenommen wird. Die Aufnahme des Nervengiftes in den Körper (Intoxikation) hängt von der Methode des Tabakgebrauches ab (Rauchen, Kauen, Schnupfen), der Inhalationstiefe und -dauer, der Stummellänge und vielen anderen Faktoren. Schon beim Verschwelen des Tabaks werden etwa 2/3 der Nikotinmenge im Tabak vernichtet - nur 1/3 geht in den Rauch über. In der Folge gelangt dann beim Aktiv- und Passivrauchen nur ein Bruchteil der mit dem Rauch eingeatmenten Nikotinmenge über die Mundschleimhäute (5%) und die Lunge (die restlichen 95%) in den Blutkreislauf.
Dort verlangsamt es anfänglich den Puls und sorgt nach dem nun beginnenden Blutdruckabfall schließlich - je nach Art und Menge weiterer Nikotinzufuhr - für eine Erhöhung der Pulsfrequenz, eine Steigerung der Darmbewegungen, ein Versiegen der Drüsenabscheidungen im Körper und eine - schneller erkennbare - Pupillenverengung im Auge mit Akkomodationskrampf. Später tritt dann eine Pupillenerweiterung ein (durch Lähmung des Augenmuskels), bei höherer Dosierung (Nikotinaufnahme ins Blut) schließlich eine tendenzielle, lokale und am Ende gar lebensbedrohliche Lähmung aller Muskeln inklusive des Herzens (tödlicher Kreislaufkollaps ab ca. 50 mg).
Neben Nikotin, Nornikotin und dem aromatischen Wirkstoff Nikotianin ist auch eine Nicotinsäure bekannt (Pyridin-3-Carbonsäure). Diese ist jedoch - im Unterschied zu jenen Nervengiften - ein Bestandteil des Vitamin-B2-Komplexes, wird als Medikament verwendet (ein farbloses, wasserlösliches Pulver) und kommt als Nikotinsäureamid in Bierhefe vor.
Quelle: Enzyklopädie
