Was ist Desensibilisierung bzw Hyposensibilisierung ?

Desensibilisierung, Hyposensibilisierung, Heuschunpfenakupunktur, Pollenallergie, geschwollene Augen, Schnupfen, Juckreiz, Atemnot, allergisches Asthma, etc.

Moderator: Ilse-Maria

Was ist Desensibilisierung bzw Hyposensibilisierung ?

Postby Gast » 18.03.2007, 12:13

Mit einer Hyposensibilisierung, auch Desensibilisierung oder Spezifische Immuntherapie genannt, soll die Wirkung von Allergenen herabgesetzt werden. Dabei verabreicht man einem Patienten, der unter einer Allergie leidet, anfangs sehr geringe und im Verlauf zunehmende Dosen der Allergene, die ihn beeinträchtigen, um eine Toleranz zu erzeugen. In der neueren Literatur wird zunehmend die Bezeichnung Spezifische ImmunTherapie (SIT) verwendet.


* Die Dosis wird mit der Zeit gesteigert, damit sich das Immunsystem daran gewöhnen und Bildung von Antikörpern reguliert werden kann.
* Die Hyposensibilisierungstherapie wird vor allem durchgeführt bei klinisch relevanten Sensibilisierungen (oft der sogenannte Heuschnupfen bzw. saisonale allergische Rhinitis) gegenüber Gräserpollen (Roggenpollen), Birkenpollen (Haselpollen, Erlenpollen), Beifußpollen, Hausstaubmilben, sowie evtl. Tier- Katzenhaaren.
* Bei Insektengiftallergien (v.a. gegenüber Bienengift, Wespengift) ist die Hyposensibilisierungstherapie oft lebensrettend.
* Die fein in einer Lösung verteilten hochgereinigten Allergene werden vorsichtig unter die der Haut "subcutan" gespritzt. (subcutane Hyposensibilisierung)
* Als Tropfen oder in Tabletten (nur für Gräserpollenallergiker) kann das Medikament über die Schleimhäute im Mund, besonders unter der Zunge aufgenommen werden. (orale Hyposensibilisierung) Dies wird zunehmend als SLIT - SubLinguale ImmunTherapie bezeichnet.
* Die SIT wird sowohl in der Humanmedizin als auch in der Veterinärmedizin (u.a. Katze, Hund, Pferd) angewandt.

Unter "hochgereinigt" ist zu verstehen, dass nicht der komplette - beispielsweise Graspollen - Extrakt verwendet wird, sondern nur die allergieauslösenden Anteile (besondere Proteine) verabreicht werden.

Der Goldstandard ist bisher (2006) die subkutane Hyposensibilisierung.

Angenommener Wirkungsmechanismus

Es werden blockierende Antikörper des IgG Subtyps gebildet, auch die Induktion antiidiotypischer Antikörper tritt ein. Die Folge ist eine Supprimierung der Produktion von spezifischen IgE Antikörpern, sowie verminderte Degranulationsbereitschaft der Mastzellen und basophilen Granulozyten.

Zahlreiche Studien zur klinischen Wirksamkeit bei allergischer Rhinokonjunktivitis (allergischer Schnupfen mit Beteiligung der Augen) zeigen eine Reduktion der Beschwerden bzw. des Medikamtenverbrauchs um 45%. Die Mehrheit der Studien wurde mit Erwachsenen durchgeführt, wobei davon auszugehen ist, dass bei Kindern die Erfolgsaussichten eher höher als niedriger sind.

Risiken

Die Hyposensibilisierung birgt prinzipiell ein Behandlungsrisiko, da die Behandlung darin besteht, den Patienten bewusst der allergieauslösenden Substanz auszusetzen. Manchmal ist eine heftige Lokalreaktion möglich, die sich durch wenige Tage währendes (starkes) Anschwellen der weiteren Injektionsregion und die Bildung von Quaddeln äußert. Beide Reaktionen sind jedoch weniger gefährlich und können durch Gabe entzündungshemmender Substanzen oder Antihistaminika abgeschwächt werden. Selten ist der gefährliche allergische Schock. Bei einer falschen Dosierung, mangelhafter Injektionstechnik oder - selten - ohne erkennbaren Grund besteht die Gefahr dieses allergischen Schocks. Um dieser Gefahr begegnen zu können, erfolgt die ambulante Hyposensibilisierung in der Weise, dass der Patient nach der Injektion des Allergens für mindestens 30 Minuten unter ärztlicher Aufsicht verbleibt. Im Falle eines allergischen Schocks können dann vom speziell ausgebildeten Arzt rettende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Bei der sublingualen Hyposensibilisierung hingegen sind bisher keine gefährlichen Komplikationen aufgetreten. Nebenwirkungen können z.B. brennende Lippe o.ä. sein.

Im Falle einer vorliegenden Histaminose darf eine Hyposensibilisierung nicht durchgeführt werden, da die Gefahr besteht, daß sich das Krankheitsbild verschlechtert, und die Erfolgsaussichten der Hyposensibilisierung gering sind! Die Einnahme mancher Medikamente zusätzlich kann gefährlich sein. Bei Neurodermitis kann es während der Behandlung zu negativen Auswirkungen kommen.
Gast
 
Posts: 1246
Joined: 16.11.2006, 07:21

Return to Heuschnupfen - Forum

Who is online

Users browsing this forum: No registered users and 0 guests